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72 544x376 Normal 0 21 false false false /* Style Definitions */ table.MsoNormalTable {mso-style-name:"Normale Tabelle"; mso-tstyle-rowband-size:0; mso-tstyle-colband-size:0; mso-style-noshow:yes; mso-style-parent:""; mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; mso-para-margin:0cm; mso-para-margin-bottom:.0001pt; mso-pagination:widow-orphan; font-size:10.0pt; font-family:"Times New Roman"; mso-ansi-language:#0400; mso-fareast-language:#0400; mso-bidi-language:#0400;} Berlinale, die 60ste. Es war mal wieder soweit, die internationalen Filmfestspiele in Berlin standen auf der Tagesordnung und alle waren da. Stars und Sternchen, A, B und C Prominenz, Presse aus aller Welt und natürlich der Goldene Bär. Der riesen Hype anlässlich des 60. Geburtstages blieb zwar aus, trotz allem war die Berlinale aufregend, spannend, prominent.
Ausgestattet mit einer gewöhnungsbedürftigen Berlinale-Tasche (lila, aus Gummi), ging es los in die Kinos. "Schwerkraft" von Maximilian Erlenwein eröffnete die Reihe des „German Cinema“. Der Film erzählt von den irrationalen Abgründen im menschlichen Charakter und der Suche nach Freiheit und Liebe. Der zuvor mit dem "Max-Ophüls-Preis" geehrte Film ist mit Fabian Hinrichs und Jürgen Vogel in den Hauptrollen besetzt.
Das größte Highlight der 60. Berlinale war mit Sicherheit die Premiere der restaurierten "Metropolis"-Fassung im Friedrichstadtpalast. Der Klassiker von Fritz Lang war jahrzehntelang nur in der Kurzfassung und ohne wichtige Schlüsselszenen zu sehen. Die restlichen Szenen galten seit 1927 als verschollen. Erst im Jahre 2008 wurde eine vollständige Kopie in Südamerika entdeckt und konnte durch die "Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung" neu bearbeitet und restauriert werden. Am Brandenburger Tor wurde eine riesige Leinwand aufgestellt, um das Spektakel live für jeden Bürger zugänglich zu machen. Nachdem der Vorspann dreimal wiederholt wurde, die ersten Buh-Rufe zu hören waren und die Eiseskälte jedem vor Ort zusetzte, ging es endlich los. Der Film wirkte, durch die aufwendigen Spezialeffekte und Kulissenbauten, sehr futuristisch und monumental. Ein Erlebnis für jeden Filmfan, doch bei minus fünf Grad lässt sich selbst ein Klassiker wie "Metropolis" nicht wirklich genießen.
Die größten Stars brachte in diesem Jahr Oscar-Preisträger Martin Scorsese mit nach Berlin, der seinen Film "Shutter Island" vorstellte. Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley und Mark Ruffalo spielen in diesem packenden Thriller die Hauptrollen. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman des amerikanischen Schriftstellers Dennis Lehane und spielt im Jahr 1954 auf einer abgelegenen Insel vor der amerikanischen Ostküste. Die Geschichte dreht sich um den U.S Marshal Teddy Daniels, der zusammen mit seinem Kollegen das spurlose Verschwinden einer geisteskranken Mörderin untersucht.
Der Film ist atemberaubend spannend und hat viele Wendungen, die durch die ausgezeichnete Leistung der Schauspieler unterstützt werden. Auf der Pressekonferenz erschienen alle Beteiligten mit bester Laune. Martin Scorsese wurde mit viel Respekt und Begeisterung für seine Arbeit entgegengetreten. Ben Kingsley schwärmte: „Martin Scorsese ist wohl der klügste Mann hier im Raum. Das Wunderbare jedoch ist, dass er einen selbst behandelt, als wäre man genauso klug. Für einen Schauspieler ein tolles Gefühl“. Leonardo DiCaprio äußerte sich ebenso positiv über die Zusammenarbeit mit Scorsese und erwähnte, dass er als Schauspieler mit dem Film "Aviator" erwachsen geworden ist.
Die Reihe "Perspektive Deutsches Kino" wurde dieses Jahr vom Liebesdrama "Renn, wenn du kannst" von Dietrich Brüggemann eröffnet. Der Film baut eine humorvolle Dreiecksgeschichte auf, in der es um Liebe und das Erwachsenwerden geht. Eine der Hauptfiguren, wunderbar gespielt von Robert Gwisdek, ist querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Trotz der dramatischen Ausgangssituation bringt der Film immer wieder heitere Momente auf und versucht so, sich einem schwierigen Thema mit Humor zu nähern. In weiteren Hauptrollen spielen Jacob Matschenz und Anna Brüggemann, die Schwester des Regisseurs und Co-Autorin des Films. "Renn, wenn du kannst" ist ein Film, der auf charmante Art und Weise berührt.
Der Silberne Bär für die beste Regie ging dieses Jahr an Roman Polanski für seinen Politthriller "The Ghost Writer". Im Vorfeld wurde viel diskutiert, denn der Oscar-Preisträger befand sich zu dem Zeitpunkt in der Schweiz unter Hausarrest. Polanski ist im vergangenen Jahr bei der Einreise in die Schweiz, aufgrund eines Missbrauchsverfahrens aus dem Jahre 1978, festgenommen worden. "The Ghost Writer" wurde Anfang 2009, u.a mit Ewan McGregor und Pierce Brosnan, in Deutschland gedreht und ist trotz der Verhaftung Polanskis fertig geworden. Der Film basiert auf dem Bestseller "Ghost" von Robert Harris und handelt von einem britischen Ghostwriter, der die Memoiren des früheren englischen Premierministers verfassen soll, nachdem der bisherige Autor unter tragischen Umständen ums Leben gekommen ist. Polanski spielt hierbei gekonnt mit Themen wie Machtverlust und Einsamkeit, baut eine beunruhigende Spannung auf und sorgt für ein überraschendes Ende.
Für Aufsehen im Wettbewerb sorgte das Spielfilmdebüt "If I Want To Whistle, I Whistle" von Florin Serban. Der Film entstand aus einem Schauspiel-Workshop mit jungen Häftlingen, war somit nur mit Laiendarstellern besetzt und gewann hochverdient zwei der wichtigsten Berlinale Preise. Gedreht wurde der Film in einem rumänischen Gefängnis und erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der kurz vor seiner Entlassung ein Mädchen entführt und zu fliehen versucht. Der Hauptdarsteller George Pistereanu zeigt hier eine außergewöhnliche schauspielerische Leistung. Mit perfekter Mimik und Gestik zieht er den Zuschauer in seinen Bann und macht die Lebensbedingungen der Häftlinge, vor dem realistischen Hintergrund, deutlich spürbar. Visuell überzeugt der Film durch seinen dokumentarischen Stil, die Kamera bleibt stets nahe bei den Charakteren. Die Eintönigkeit im Gefängnis wird passend, durch teilweise sehr lange Einstellungen, widergespiegelt. Ein einfacher Film, doch einer der stärksten in diesem Jahr.
Erfolgsregisseurin Doris Dörrie feierte mit ihrem neuen Film "Die Friseuse" Premiere. Die Gala im Friedrichstadtpalast war frei nach dem Motto "Applaus ist das Brot des Künstlers". Der Film handelt von der arbeitslosen Friseuse Kathi, die mit ihrer Tochter in einer Plattenbausiedlung in Berlin-Marzahn lebt und einen eigenen Friseursalon eröffnen möchte. Gespickt mit viel berliner Humor und verrückten Charakteren hat der Film seine witzigen Momente. Doch riesige Brüste und breite Hintern, prominent ins Bild gerückt, treffen nicht immer bei jedermann auf Zustimmung. Gut, dass Hauptdarstellerin Gabriela Maria Schmeide ein großes Maß an Selbstironie an den Tag legt. Manche Fragen in der Geschichte blieben offen, doch dem Publikum, darunter u.a Hape Kerkeling und Nora Tschirner, hat es gefallen und so ernteten Doris Dörrie und ihre Schauspieler eine Menge Applaus.
Für eine perfekte Inszenierung sorgte Hans Petter Moland, der mit "A Somewhat Gentle Man" im Wettbewerb vertreten war. Der bekannte, schwedische Schauspieler Stellan Skarsgard spielt die Hauptrolle in dieser schwarzen Komödie, in der es um den entlassenen Häftling Ulrik geht, der versucht wieder zurück ins bürgerliche Leben zu finden. Eine Mischung aus trockenem Humor, skurrilen Situationen und tollen Dialogen machen diesen Film besonders. Eine lässig angespannte Atmosphäre umgibt stets die Hauptfigur und ihre Probleme, man fühlt tatkräftig mit dem armen Ulrik mit und verlässt mit einem breiten Grinsen den Kinosaal.
Den Goldenen Bär hat am Ende aber "Bal" von Semih Kaplanoglu gewonnen. Der Film setzt sich mit den Lebensbedingungen im ländlichen Anatolien auseinander und ist der letzte Teil einer Filmtrilogie des Regisseurs. Ob nun jeder mit der Vergabe der diesjährigen Bären einverstanden war, sei dahingestellt. Viele Filme hatten zumindest das Potential ganz vorne mitzumischen. Wichtig ist die Erkenntnis, dass Jahr für Jahr neue tolle Geschichten erzählt werden und es auch für die vermeintlich "Kleinen" eine Plattform gibt sich zu präsentieren, die Berlinale.
Thomas Siudmak
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