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18.05.2012 21:05 Uhr
 

Buchkritik von Laura Peters PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Daniel Poznanski   
Dienstag, den 20. Januar 2009 um 08:02 Uhr

Der Bohlenweg – Planieren statt Sanieren

Eine kritische Buchkritik von Laura Peters

 

 

Dieter Bohlen ist wohl die momentan umstrittenste öffentliche Figur in Deutschland. Die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn. Die einen bewundern ihn, die anderen verachten ihn- aber alle kennen diesen Mann! Und nun hat diese polarisierende Person tatsächlich ein zweites Buch geschrieben.

Hat man ihm noch bei seinem ersten Buch ausgelacht und ein 100%-iges Scheitern prognostiziert, beweist er spätestens jetzt mit seinem zweiten schriftlichen Werk, dass sich doch alles in Gold verwandelt, was er anfasst.

Ob das Buch nun aus Neugierde gekauft wird, um „nur mal reinzuschauen“ oder wirklich in der Hoffnung, dass es weise Ratschläge enthält, sei dahin gestellt. Doch Tatsache ist: Es verkauft sich! Und alleine deshalb lohnt es sich, einen näheren Blick zu riskieren.

Der Titel des Buches „Der Bohlenweg“ sagt wenig über den Inhalt aus, doch schon der Untertitel „Planieren statt Sanieren“ lässt erahnen, um was sich der Inhalt drehen wird. Und dies betätigt sich ab der ersten „richtigen“ Seite. „Richtige Seite“ deshalb, da der Maestro erst einmal den Einbruch in sein Haus schriftlich verarbeiten muss, um dann mit leerem Kopf an die wirklich „wichtigen“ Themen heranzugehen. Hat man diese Seiten erst einmal hinter sich gelassen folgen 29 Kapitel verteilt auf doch erstaunlichen vielen Seiten, nämlich 448. Jeder Kapitelanfang wird begleitet von einem doppelten Titel (ein ernster und ein unterhaltsamer – man will die Leser ja bei Laune halten) und, ganz im Bohlenstil, einem Foto von sich.

In seiner Sendung „DSDS“ hat er nichts Besseres zu tun, als (zugegeben von sich selbst extrem überzeugten) Teenagern ihre Träume zu zerstören. Doch muss man ihm lassen, dass was er schreibt oft witzig, treffend und wahr ist. Er rechnet nicht nur mit überheblichen Neulingen im Showgeschäft ab, die „immer alles besser wissen“, sondern auch mit deren Managern, die im „Hasi-Schnucki siehst du heute wieder gut aus!“ - Stil den vermeintlichen Stars soviel Honig um den Mund schmieren, dass diese irgendwann gar nicht mehr anders können, als sich für den Mittelpunkt der Erde zu halten. Diese Abrechnungen sind dann nett gespickt mit Anekdoten aus seiner inzwischen fast 30-jährigen Musikkarriere und Geschichten über eigene Fehler, die zukünftig von aufsteigenden Popsternchen doch bitte vermieden werden sollen. Jedoch lässt er keinen Satz des Buches aus, um darauf hinzuweisen, dass „Erst die Leistung, dann der Erfolg kommt“ und somit keiner, der Erfolg haben möchte, in seiner Wohnung darauf warten sollte, dass er von alleine an der Tür anklopft.

Interessant ist auch, dass Bohlen mit vielen Vorwürfen ihm gegenüber auf eine äußerst interessante Weise aufräumt: Er bestätigt sie. Dieter Bohlen ist total geizig? „Ja, weil Geld für mich nicht nur den Sinn hat etwas zu kaufen(...). Geld schenkt einem Kreativität, indem es einem Freiheit und Unabhängigkeit gibt.“. Dieter Bohlen ist in „DSDS“ immer so fies und gemein? „Ja, denn ich bringe es nicht über meine Lippen und über mein Gewissen, denen etwas vorzumachen, was ich eigentlich viel besser weiß. Wenn man seit dreißig Jahren im Geschäft ist und weiß, wie man Hits macht, sollte man niemanden das Gefühl geben, es schaffen zu können, wenn man nicht wirklich daran glaubt.“ Modern Talking ist total scheiße? „Ja, was hab ich auf die Fresse bekommen für meine Bumm-Bumm-Bumm-Lieder von Modern Talking. Aber die sind mittlerweile über zwanzig Jahre alt und bringen noch immer so viel Geld ein, dass ich bequem alleine davon leben könnte. Ich wage mal zu behaupten, dass diese Titel noch in hundert Jahren Kohle bringen werden. Das kann man von vielen anderen, ambitionierten Titeln nicht gerade behaupten.“

Was das Buch aber wirklich interessant macht ist jedoch etwas ganz anderes. Immer wieder lässt Bohlen, oder derjenige, der das Buch für ihn geschrieben hat wie fiese Stimmen behaupten, eine enorme Unsicherheit durchblicken und erzählt Dinge, die man auf den ersten Blick nicht vermutet hätte. Das macht ihn sympathisch und glaubwürdig, sodass man neugierig wird, was er auf den restlichen Seiten noch zu berichten hat.

Mein persönliches Fazit ist folgendes: Das neue Bohlenbuch bringt nicht wirklich viele neue Erkenntnisse über das Leben und den Erfolg mit sich. Jedoch berichtet es in einer unterhaltsamen und leicht lesbaren Weise über die Erfahrungen einer Person, die den erfolgreichen Weg schon einmal gegangen ist und nun andere davor bewahren will, dieselben Fehler zu begehen wie er. Es handelt nicht nur von Erfolgerlebnisse des selbsternannten Poptitans, sondern auch über grundlegende Werte wie Ehrlichkeit, Freiheit und Selbstvertrauen. Abschließend ist zu sagen, dass das Buch auf jeden Fall lesenswert ist (egal, ob man Dieter Bohlen nun mag oder nicht) und es eins auf jeden Fall hinbekommt: Es motiviert ungemein seinen eigenen Weg gehen zu wollen, und sich nicht wieder von den ganzen Nein-Sagern davon abhalten zu lassen. Denn: „Wollt ihr euch wirklich vorschreiben lassen, was ihr gut und was ihr schlecht finden sollt? Kauft und lest, was ihr wollt und nicht, was diese verklemmten Kacker euch sagen. Freiheit für den persönlichen Geschmack!“.

 

 

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